AKH-Werkstattbesuch bei Mitglied Uwe Spiekermann

Zu einem Werkstattbesuch bei Uwe Spiekermann waren Mitglieder der Arbeitsgruppe Kunst-Handwerk-Design Hannover zu Gast.

 

Uwe Spiekermann ist seit Frühjahr 2016 Mitglied der AKH und im Gewerk Stein das einzige Mitglied der Arbeitsgruppe.

 

Den interessierten Gästen erläuterte Uwe Spiekermann Gestaltungen für Grabmale, Brunnen und Steinbänke, verschiedene Steine, Geräte und Arbeitsweisen in seiner Werkstatt.

 

Seinen Steinmetz-Betrieb in Langenhagen betreibt Uwe Spiekermann als Familienbetrieb mit vielfältigen Auszeichnungen und Aufträgen aus einem großen Einzugsgebiet. Detaillierte Informationen finden sich auf der Homepage: http://www.kh-spiekermann.de/

 

Im Zuge des AKH-Treffens stellte sich Sven-Oliver Berdin als Gründer der Design-Plattform HannoverDesignStore vor. Einige AKH-Mitglieder sind online vertreten. Nähere Informationen auf der Website: http://www.hannoverdesignstore.de/

 

Vorbereitet wurden außerdem die AKH-Jahresausstellung im Museum August Kestner - siehe Rubrik auf dieser Seite.

 

Und die erstmalige Teilnahme der AKH an den Europäischen Tagen des Kunsthandwerks im Frühjahr 2017 - siehe Rubrik auf dieser Seite. 

 

 

 

Uwe Spiekermann, HannoverDesignStore

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AKH-Exkursion Bomann-Museum Celle

Stoffe, die Geschichten erzählen - das sind die Lieblingsstücke der Textilrestauratorin Frauke Petzold im Bomann-Museum Celle. Bei einer Führung öffnete sie die Türen zu ihrer Schatzkammer im Museumsmagazin und der Restaurierungswerkstatt. 

 

Hier finden sich textile Kostbarkeiten aus vielen Jahrhunderten wie beispielsweise eine handgewebte seidene "Kölner Borte" aus dem Mittelalter, eine Sammlung von bemalten und perlenbestickten Fächern, "Almosenbeutel", "Brieftaschen", gestrickte, gewirkte, gehäkelte, bemalte Täschchen, Schuhe, Kostüme, Hüte und Hauben ...

 

In der Restaurierungswerkstatt des Museums bereitet Frauke Pezold, gelernte Textilrestauratorin und studierte Textildesignerin, derzeit eine Ausstellung vor unter dem Titel "Textile Vielfalt aus der Sammlung des Bomann Museums". Anlass sind die Patchworktage der Patchwork Gilde Deutschland im Juni 2016 in Celle.

 

Prachtstück der Ausstellung ist eine "Flickendecke" aus der Sammlung, die erstmal öffentlich gezeigt wird: Eine großfromatige handgenähte Decke aus dem frühen 19. Jahrhundert aus mehr als 200 kleinformatigen Stoffstücken zusammengefügt. Fragmente der Decke auf der Rückseite und erhaltene Einzelstücke zeigen die ursprüngliche Machart auf Zeitungspapier aufgebügelte und gefalzte Stoffstücke, die zusammengefügt und wieder von der Zeitung befreit wurden. Die Zeitungsstücke verweisen auf den Entstehungszeitraum, es handelt sich um englischsprachige Ausschnitte. Verborgen unter einem Falzsaum zeigt sich ein Veröffentlichungsdatum aus dem Jahre 1806. Wie kam die Decke nach Celle, oder wurde sie hier gearbeitet? Der Entstehungszeitraum fällt in die Zeit der Personalunion mit dem englischen Königshaus. Gibt es hier Querverbindungen?

 

Fragen werfen auch zwei Hauben aus dem Alltagsleben auf, Nebelhauben genannt. Sie wurden verwendet, um über festlichen Hauben getragen zu werden und diese vor Wind und Wetter zu schützen. Woher kommt die zunächst an Holland erinnernde Form? Könnten Hugenotten, die einst nach Celle einwanderten die Form hierher gebracht haben? Wer hat solche Hauben anderswo schon einmal gesehen?

 

Bei zwei Kinderjäckchen aus Chintz-Stoff konnte der Entstehungszeitraum aufgrund eines alten Buches mit Stoffbeispielen eines französischen Textilherstellers eingegrenzt werden.

Ein unfertiges kostbares Kinderhäubchen offenbart seinen Entstehungsprozess aufgrund seiner unvollendeten Innenseite mit Einlagen aus beschriebenem Papier.

 

Ein aufwändig bestickter quittengelber Seidenrock wirft die Frage auf, wer ihn getragen haben könnte. Könnte der Rock vielleicht der in Verbannung im Celler Schloß lebenden Prinzessin Caroline Mathilde von Hannover gehört haben zu der Zeit, als sie im 18. Jahrhundert Bälle und Festivitäten in Celle gab?

 

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe Kunst Handwerk Design Hannover und textile Freundinnen aus benachbarten Regionen bedanken sich herzlich bei der äußerst fachkundigen und engagierten Leiterin der Textilrestauration im Bomann Museum Frauke Pezold für die interessanten und spannenden Einblicke in ihre Arbeit. Und bei AKH-Mitglied Sigrid Matejat für die engagierte Organisation der Exkursion.

 

http://www.bomann-museum.de/Quicknavigation/Startseite

 

 

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AKH-Exkursion koptische Textilien in Hildesheim

Textilkünstlerinnen zur Exkursion der koptischen Textilien im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim

Eine umfangreiche Sammlung koptischer Textilien befindet sich für viele unbekannterweise im Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim.Die Museums-Restauratorin und Archivarin Madeleine Alsen betreut rund 400 bis 500 dieser kostbaren frühchristlichen Textilfragmente im Museum und dem Magazin. Bei einer Sonderführung stellte sie die textilen Kostbarkeiten einer Gruppe von Textilkünstlerinnen aus dem Bereich der Arbeitsgruppe Kunst Handwerk Design Hannover und benachbarter Regionen vor.

Diese besondere Sammlung kam in zwei Konvoluten Ende des 19. Jahrhunderts in das Museum und wurde bis in die 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts archiviert und katalogisiert. Diese Archivierung wurde in den 90er Jahren überarbeitet und wird nun systematisch von Madeleine Alsen nach Gesichtspunkten der sicheren Bewahrung erneuert. Die oft etwa handtellergroßen Stücke werden im Magazin gelagert und sind unter Voranmeldung zu sehen. Einige wenige Stücke sind in der großen ägytischen Sammlung des Hauses unter besonderen Lichtverhältnissen zu sehen. Darunter ein besonders kostbares Stück: ein kleiner Stoffballen aus Leinen, eine Grabbeigabe für das Jenseits und mehr als 4000 Jahre alt  und damit alt-ägyptisch. Die Zeit der Kopten begann mit der Christianisierung durch die Römer etwa 400 nach Christus.

Bei den meisten Textilien handelt es sich um Grabfunde, entweder als Bekleidungsstücke, Mumienbinden oder Grabbeigaben. Aufgrund der besonderen klimatischen Bedingungen mit großer Trockenheit an den Fundorten in Ägypten sind die Textilien auserordentlich gut erhalten. Das Kettgarn der koptischen Textilien ist meist feines Leinengarn. Der  Schuss häufig Wolle in kräftigen leuchtenden Farben rot, blau oder grün. Die Farben sind erstaunlich in ihrer Lebendigkeit und wirken wie frisch gefärbt. Die Anmutung der koptischen Textilien ist volkstümlich und bildhaft. Es sind auch Arbeiten aus Seide erhalten.

Im Zeitalter der großen Sammlertätigkeit im Bereich der Kunstgewerbemuseen Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts kamen etliche Konvolute mit koptischen Textilien nach Deutschland. Zu Häusern mit Sammlungen von koptischen Textilien gehört beispielsweise das Landesmuseum Württemberg in Stuttgart mit rund 100 Objekten, erfaßt in einem digitalen Katalog.  Ebenso das MAK in Wien mit seiner bedeutenden Textilsammlung, das Museum Folkwang, das Gustav-Lübcke-Museum Hamm und die Archäologische Staatssammlung in München mit einem Bestandkatalog.

 

Herzlichen Dank an Madeleine Alsen für die fachkundige Führung und an Anne Gueler vom AKH für die Organisation der Exkursion und an alle zwölf begeisterten Exkursionsteilnehmerinnen.

 

Quellen: Eva Eggebrecht: Zwischen Morgen- und Abendland. Spätantike und koptische Textilien. Berward Verlag. www.rpmuseum.de, www.landesmuseum-stuttgart.de/sammlungen/forschung/koptische-textilien www.sammlung-online.museum-folkwang.de, Dorothee Renner-Volbach: Koptische Textilien: Bestandskatalog der Archäologischen Staatssammlung München

weitere Fotos unter https://luciaschwalenberg.de/koptische-textilien-im-roemer-und-pelizaeus-museum

 

Koptisches Textilfragment aus der Sammlung des Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim, vermutlich Reste eines Besatzstückes eines Oberteiles. Kettgarn: Leinen, Schussgarn des Zierschusses: Wolle.

Fragment eines Leinengewebes mit Dreher-Schlingen.

Zierstreifen eines Kleidungsstückes in intensiven Farbtönen.

Fragment in eingearbeiteter Schlingentechnik aus Leinen.

Prächtig ausgearbeites Fragment einer koptischen Textilie

Fachkundige Begutachtung bei der Führung der Textilgruppe

Werkzeug-Set der Restauratorin Madeleine Alsen im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim

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